Bezirksregierung
Arnsberg
Abgebildet sind Impressionen zur Veranstaltung „Hairdressing goes digital“.

„Hairdressing goes digital“ – Wie Europa die Friseurausbildung digitaler macht

Projektabschluss: „HAGGI“ zeigt, wie die Zusammenarbeit von Partnerinnen und Partnern aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden die berufliche Bildung mit Virtual und Augmented Reality bereichern kann.

Dortmund. Wie kann Friseurausbildung auf Technologien vorbereiten, die im Arbeitsalltag vieler Betriebe heute noch nicht selbstverständlich sind, in Zukunft aber an Bedeutung gewinnen könnten? Mit dieser Frage beschäftigte sich in den vergangenen zwei Jahren das Erasmus+-Projekt „Hairdressing goes digital“, kurz HAGGI. Am 8. Juni 2026 kamen die beteiligten Projektpartnerinnen und Projektpartner im Fritz-Henßler-Berufskolleg in Dortmund zur Abschlussveranstaltung zusammen.

Abgebildet sind Impressionen zur Veranstaltung „Hairdressing goes digital“.

Der Vormittag begann mit zahlreichen Redebeiträgen, in denen die Beteiligten auf die gemeinsame Projektarbeit zurückblickten und die Ergebnisse einordneten. Karsten Mielke, Dezernent der Bezirksregierung Arnsberg und Leiter der EU-Geschäftsstelle, konnte nicht persönlich in Dortmund teilnehmen und sendete einen Videogruß von der 17. Sitzung des Bildungsausschusses der deutsch-polnischen Regierungskommission. Darin würdigte er die gemeinsame Arbeit der vergangenen zwei Jahre: „Dass wir heute hier zusammenkommen können, zeigt, wie viel durch Zusammenarbeit, Offenheit und gegenseitiges Lernen entstehen kann.“

Mielke betonte zudem die Praxisnähe des Projekts, die auch im Interesse der Betriebe sichtbar geworden sei. Die internationale Zusammenarbeit habe dazu beigetragen, dass jeder Partner seine Stärken und Erfahrungen einbringen konnte. Sein besonderer Dank galt den beteiligten Berufskollegs, Handwerkskammern, Ausbilderinnen und Ausbildern, Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften sowie allen weiteren Mitarbeitenden. Ohne deren Engagement, Fachwissen und Geduld, so Mielke, wären die entwickelten VR- und AR-Prototypen, Lernsituationen und weiteren Projektergebnisse nicht in dieser Qualität möglich gewesen.

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Dominik Lux, Geschäftsführer der EU-Geschäftsstelle Wirtschaft und Berufsbildung der Bezirksregierung Arnsberg, begrüßte anschließend Vertreterinnen und Vertreter der Berufskollegs, Handwerkskammern, Kreishandwerkerschaften, Friseurinnungen, der Bezirksregierung Arnsberg sowie die internationalen Projektpartner aus Frankreich und den Niederlanden. In seiner Eröffnung machte er deutlich, worum es dem Projekt von Beginn an ging: „Unser Ziel war und ist es, VR und AR als echten Mehrwert für die duale Friseurausbildung einzusetzen – praxisnah, sicher und international vernetzt.“

Dass dieses Ziel nicht losgelöst von den aktuellen Herausforderungen des Friseurhandwerks betrachtet werden kann, machte Sabine Breier, Dezernentin der Bezirksregierung Arnsberg, in ihrem Beitrag deutlich. Sie sprach über Fachkräftegewinnung, Fachkräftemangel und die veränderte Situation in den Fachklassen des dualen Systems. „In Zeiten des Fachkräftemangels können wir es uns einfach nicht leisten, das Potenzial der Jugendlichen zu verschenken oder liegen zu lassen“, sagte Breier. Berufliche und akademische Bildung müssten als gleichwertig angesehen werden; gerade im dualen System zeige sich, wie wichtig es sei, junge Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen zu erreichen und ihnen passende Zugänge zur Ausbildung zu eröffnen.

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Breier verwies darauf, dass die Zahl der Auszubildenden im Friseurhandwerk bundesweit stark gesunken sei und sich zugleich die Zusammensetzung der Lerngruppen verändert habe. Viele junge Menschen brächten sehr unterschiedliche Vorerfahrungen und Sprachfähigkeiten mit. Umso wichtiger seien zeitgemäße Lernmaterialien und Unterrichtsformate, die motivieren, unterstützen und Abbrüche vermeiden helfen. Zugleich gebe es auch positive Signale, etwa durch steigende Ausbildungsvergütungen und neue Ausbildungsverträge im Friseurhandwerk im Regierungsbezirk Arnsberg. HAGGI knüpfe genau an dieser Stelle an: „Dieses Projekt hat ein klares Ziel gesetzt: junge Menschen wieder für die Friseurinnen- und Friseurausbildung zu begeistern. Es ist uns gelungen, Virtual Reality direkt mit dem offiziellen Rahmenlehrplan der Friseurausbildung zu verknüpfen.“

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Detlef Sandmann, Dezernent der Bezirksregierung Arnsberg, ordnete das Projekt anschließend in den größeren Zusammenhang der Digitalisierung der beruflichen Bildung ein. Digitalisierung sei längst kein Zukunftsthema mehr, sondern Realität. „Die Frage ist also nicht mehr, ob wir uns damit beschäftigen, sondern wie bewusst, strategisch und nachhaltig wir diese Entwicklung in unseren Schulen gestalten“, betonte Sandmann. Gerade Berufskollegs seien gefordert, eine Kultur der Digitalität in Lernprozesse zu integrieren und digitale Schlüsselkompetenzen systematisch zu fördern.

Unter Leitung der EU-Geschäftsstelle für Wirtschaft und Berufsbildung der Bezirksregierung Arnsberg arbeiteten Berufskollegs aus Nordrhein-Westfalen mit Partnern aus den Niederlanden und Frankreich zusammen. Ziel des Projekts war es, immersive Technologien nicht nur theoretisch zu betrachten, sondern konkrete didaktische Prototypen zu entwickeln, im Unterricht zu testen und pädagogisch zu bewerten.

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Ein Schwerpunkt der deutschen Projektgruppe war ein virtueller Friseursalon, der sich insbesondere an Auszubildende im ersten Ausbildungsjahr richtet. In dieser simulierten Umgebung können Lernende typische Situationen aus dem Berufsalltag erleben: Sie organisieren Arbeitsplätze, wenden Fachbegriffe an, lernen Produkte kennen und spielen erste Kundensituationen durch. Dabei geht es nicht darum, handwerkliche Techniken vollständig virtuell zu ersetzen. Im Mittelpunkt stehen vielmehr berufliche Handlungskompetenz, Kommunikation, Fachsprache und Orientierung im Salon.

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Lux verwies in seiner Rede auch auf die unterschiedlichen Schwerpunkte der internationalen Zusammenarbeit. In Deutschland seien VR-Szenarien für die Berufsschule entwickelt und ausprobiert worden, um Auszubildende niedrigschwellig an neue Technik heranzuführen. In den Niederlanden entstanden AR-Anwendungen zur Vermittlung von Haarschnitttechniken, während in Frankreich eine Kompetenzmatrix erarbeitet wurde, die Einsatzmöglichkeiten, Vorteile und Grenzen der Technologien aus verschiedenen Perspektiven gegenüberstellt. „Heute präsentieren wir Ihnen nicht nur die Ergebnisse, sondern laden Sie ein, sie selbst auszuprobieren – auf unserem Markt der Möglichkeiten“, sagte Lux.

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Welche didaktischen Möglichkeiten damit verbunden sind, beschrieb Sandmann mit Blick auf AR und VR. Virtuelle Realität ermögliche vollständig digitale Lernumgebungen, in denen Lernende interagieren können, während Augmented Reality die reale Welt um digitale Elemente erweitert. „Beide Technologien öffnen neue didaktische Möglichkeiten, insbesondere in der beruflichen Bildung, wo Praxisnähe, Handlungskompetenz und Sicherheit eine zentrale Rolle spielen“, sagte Sandmann. Genau hier liege ihre besondere Stärke: VR könne Lernräume schaffen, die realitätsnah und gleichzeitig sicher seien.

Julian Genter, Berater für Innovation und Technologie bei der Handwerkskammer Dortmund, stellte die Einsatzmöglichkeiten von Extended Reality (XR) in Handwerk und Ausbildung vor. Er verdeutlichte, wie Virtual und Augmented Reality bereits heute in verschiedenen Gewerken genutzt werden und welche Chancen die Technologien für Lernprozesse, Einarbeitung und betriebliche Praxis eröffnen können.

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Nach den Redebeiträgen wurde die digitale Zukunft der Friseurausbildung für die Teilnehmenden, die sich aus Schülerinnen und Schülern sowie den beteiligten Projektpartnern zusammensetzten, unmittelbar in diesem „Markt der Möglichkeiten“ erfahrbar. Sie konnten verschiedene VR- und AR-Stationen selbst ausprobieren und die im Projekt entwickelten Anwendungen kennenlernen und erhielten somit Gelegenheit, die Technik nicht nur theoretisch erklärt zu bekommen und zu betrachten, sondern konnten selbst in die virtuellen Lernwelten eintauchen.

Die Reaktionen zeigten, wie eindrucksvoll immersive Technik wirken kann. Susanne Röhling, Lehrerin an einem Berufskolleg in Iserlohn, schilderte ihre Erfahrung so: „Ich hatte eine VR-Brille erst das zweite Mal in meinem Leben auf und bin immer wieder erstaunt, wie echt und immersiv die virtuelle Welt auf einen wirkt.“

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Auch Karin Borth, Lehrerin an einem Berufskolleg in Hamm, sah großes Potenzial für den Unterricht: „Ich könnte mir den Einsatz der Technik sehr gut im Unterricht vorstellen, da ich glaube, dass sie die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler fokussieren kann und viele Situationen im virtuellen Raum schnell und stressfrei erprobt werden können.“

Gerade dieser geschützte Raum gehört zu den zentralen Stärken immersiver Lernumgebungen. Lernende können Situationen wiederholen, Fehler machen, Abläufe ausprobieren und Sicherheit gewinnen, bevor sie vergleichbare Aufgaben im realen Berufsalltag bewältigen. Gleichzeitig lassen sich auch diejenigen aktiv einbeziehen, die gerade keine VR-Brille tragen: Sie beobachten, unterstützen, diskutieren Lösungswege und reflektieren gemeinsam mit der Gruppe.

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Die Abschlussveranstaltung machte deutlich, dass digitale Technik nicht als Selbstzweck verstanden werden darf. Schere, Kamm, Übungskopf, Materialgefühl und der direkte Kontakt mit Kundinnen und Kunden bleiben unverzichtbare Bestandteile der Friseurausbildung. HAGGI zeigte, wie digitale Anwendungen bestehende Ausbildungskonzepte sinnvoll ergänzen können: als motivierender Einstieg, als Trainingsraum für Kommunikation, als Hilfe beim räumlichen Verstehen oder als Werkzeug zur Reflexion.

Nach zwei Jahren Projektarbeit steht damit ein klares Ergebnis: Digitalisierung und Handwerk sind keine Gegensätze. Richtig eingesetzt können immersive Technologien dazu beitragen, Ausbildung zeitgemäß, praxisnah und attraktiv zu gestalten. Die Abschlussveranstaltung am Fritz-Henßler-Berufskolleg in Dortmund machte diesen Ansatz nicht nur sichtbar, sondern für die Teilnehmenden unmittelbar erlebbar.

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Projektergebnisse auf TwinSpace: 
https://kurzlinks.de/haggi-twinspace

Weiterführende Informationen: 
https://linktr.ee/haggi.team.eugs 

Kontakt

EU-Geschäftsstelle Wirtschaft und Berufsbildung

Geschäftsführer Dominik Lux

Laurentiusstraße 1
59821 Arnsberg
Telefon: 02931 82-3180
E-Mail: eu-geschaeftstelle [at] bra [dot] nrw [dot] de (eu-geschaeftstelle@bra [dot] nrw [dot] de)

Webseite: www.bra.nrw.de/-2119

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