Energiewende vor Ort gestalten - Kongress zur einer nachhaltigen Zukunft im Regierungsbezirk Arnsberg

29.09.2022

Energiewende vor Ort gestalten - Kongress zur einer nachhaltigen Zukunft im Regierungsbezirk Arnsberg

Der Regierungsbezirk Arnsberg ist die stärkste Industrieregion in Nordrhein-Westfalen. Gerade hier ist die Umsetzung der Energiewende eine existentielle Aufgabe. 

Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich daraus für die Region, aktuell vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges in der Ukraine und dem überragenden Thema der Energieversorgungssicherheit in diesem Winter, aber auch mittel- und langfristig? Welche Weichen müssen in den nächsten Monaten gestellt werden, damit eine klimaneutrale Energieversorgung für den Regierungsbezirk gewährleistet werden kann? Wie kann die Energiewende im Einklang mit der Natur und der Erhaltung oder sogar Verbesserung der Artenvielfalt gelingen? Diese und zahlreiche weitere Fragen standen im Mittelpunkt des 1. Nachhaltigkeitskongresses im Regierungsbezirk am 28. September in Witten. Eingeladen hatte die Stabsstelle Klimaschutz bei der Bezirksregierung Arnsberg.

Rund 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Verwaltungen und Räten der Städte und Gemeinden, Kreise und kreisfreien Städte des Regierungsbezirkes waren der Einladung ebenso gefolgt wie Vertreterinnen und Vertreter von Kreistagen, Stadtwerken und Netzbetreibern, von Naturschutzverbänden und weiteren Institutionen.

Regierungspräsident Heinrich Böckelühr warb bei seiner Begrüßung für einen umfassenden Blick auf den Aspekt der Nachhaltigkeit. Der Krieg Putins habe die Abhängigkeit vom bisher billigen russischen Gas als einem fossilen Energieträger und damit die Dringlichkeit der Energiewende deutlich gemacht. Der Regierungspräsident ergänzt:
„Nachhaltigkeit, heißt aber auch, die Dinge umfassend zu betrachten. Die Energiewende ist auch aus Gründen des Klimaschutzes notwendig, sogar höchst dringlich! Klimaschutz kann aber nicht allein auf die Energiewende reduziert werden. Andere Aspekte dürfen wir ebenfalls nicht aus den Augen verlieren. Besonders eindrücklich sehen wir das beim Thema Wasser und beim Thema Wald. Sind fast 80.000 Hektar vertrockneter und abgestorbener Fichtenwald allein im Regierungsbezirks Arnsberg und auch daraus resultierende heftigen Waldbrände in diesem Sommer nicht Grund genug, uns ganz im Sinne der Nachhaltigkeit und des Vorsorgeprinzips hierum zu kümmern?“

Ziel des Kongresses sei es, sich die Dimension der Aufgabe der Energiewende vor Augen zu führen, sich mit den Instrumenten, mit den Konfliktlinien sowie mit der Unterstützung der Wirtschaft in diesem Prozess zu befassen. Dabei sieht er den Nachhaltigkeitskongress als Auftakt eines intensiven Dialogs insbesondere mit den Verantwortungsträgern auf der kommunalen Ebene.

Regierungspräsident Heinrich Böckelühr betonte die Schlüsselrolle der Städte und Gemeinden sowie der Energieversorger als den unmittelbaren Entscheidungsträgern vor Ort. „Ich verstehe diesen Kongress als Auftakt einer sich zukünftig vertiefenden Kommunikation und Verständigung mit den engagierten Menschen vor Ort in unserem Regierungsbezirk. Lösungen für alle diese aufgeworfenen Fragen können wir nur zusammen in der Region entwickeln.“

Der Kongress bot Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Gelegenheit, in unterschiedlichen Diskussionsforen Informationen zu den unterschiedlichsten Fakten und Aspekten sowie zu den Herausforderungen und Potentialen bei der Gestaltung und Umsetzung der Energiewende vor Ort zu bekommen. 

Wie komplex aber auch die planerische Steuerung beim Ausbau der erneuerbaren Energien, insbesondere beim Ausbau von Windkraft und Freiflächenphotovoltaik, angesichts einer sich immer wieder verändernden Gesetzeslage ist, skizzierte Bettina Krusat von der Bezirksregierung Arnsberg. 

Klimafreundliche Energie dort zu produzieren, wo sie auch verbraucht wird - mit diesem Ansatz hat die Gemeinde Drolshagen ihr Projekt „Energiemonitor“ gestartet, das beim Kongress in Witten vorgestellt wurde. Der Energiemonitor gibt den Bürgerinnen und Bürgern Informationen zum lokalen Energieverbrauch aus regenerativer oder herkömmlicher Gewinnung. Diese Information kann Bürgerinnen und Bürger motivieren, sich mit eigenen Projekten an der Energiewende zu beteiligen und den Klimaschutz so voranzutreiben. 

Darüber hinaus wurden Themen wie die Auswirkungen der Gewinnung regenerativer Energien für die Tourismusbranche angesprochen. Vertreter der Tourismusbranche warben für eine überlegte Nutzung von Windenergieanlagen, die einerseits sensible und attraktive Naturräume schont. Andererseits könne die regionale Energiegewinnung in den Urlaubsregionen Südwestfalens für eine junge und ökologisch entscheidende Generation von Touristen auch als Image-Pluspunkt wahrgenommen werden.

Informationen zu den bestehenden Potentialen auf privaten und öffentlichen Dachflächen für deren Nutzung für Photovoltaikanlagen im Vergleich zum Verbrauch von Freiflächen für die Gewinnung ähnlicher Energiemengen waren Bestandteil eines weiteren Fachbeitrages aus dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen. Fachliche Einschätzungen zu den Potentialen der Wasserstoffnutzung oder der Geothermie als weitere alternative Energieformen standen ebenfalls auf der Themenliste. 

Wichtiges Ziel der Tagung war es darüber hinaus, die weitere Vernetzung der Akteure vor Ort untereinander aber auch mit Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung zu ermöglichen und zu vertiefen.