Für die, die es genau wissen wollen!

Einführung

Die mitteleuropäischen Amphibienpopulationen sind durch eine neue, sich ausbreitende Infektionskrankheit, die sogenannte „Salamanderpest“, bedroht. Bei dem Erreger handelt es sich um einen Pilz („Batrachochytrium salamandrivorans“), der allgemein Schwanzlurche, vor allem aber Feuersalamander, bedroht.

Was ist „Bsal“?

„Batrachochytrium salamandrivorans“, kurz „Bsal“, ist ein Pilz, der wahrscheinlich aus Ost-Asien nach Europa durch Einfuhr von infizierten Amphibien verschlepp wurde. Die Pilzerkrankung ist sehr speziell und führt bisher ausschließlich bei Schwanzlurchen (Feuersalamander und Molche) zu schweren Hautinfektionen – befallene Tiere leiden unter Apathie sowie Hautläsionen und -geschwüren, die letztendlich zum Tod der Tiere führen können.

„Bsal“ ist auf eine feuchte, kühle Umgebung angewiesen. Entsprechend hält und verbreitet sich der Pilz in und an Gewässern sowie feuchten Böden. „Bsal“ weist ein optimales Wachstum zwischen 10 und 15°C auf. Die Wachstumsunter- und Obergrenze liegt jeweils etwa bei 5°C und 24°C. Bei 25°C stirbt der Pilz nach etwa fünf bis zehn Tagen ab. Aufgrund der klimatischen Verhältnisse stellen insbesondere Laubwaldgebiete, Parkanlagen oder Friedhöfe besonders geeignete Lebensräume für „Bsal“ dar.

„Bsal“ bildet zwei Formen von Sporen aus. Zum einen relativ kurzlebige, begrenzt bewegliche Zoo-Sporen und zum anderen langlebige Dauersporen. Insbesondere letztere sind aus Sicht des Amphibienschutzes hoch problematisch, da sie unter geeigneten Umweltbedingungen monatelang im Wasser oder im Boden überdauern können.

Wer ist betroffen?

Wie schon angesprochen sind von der „Bsal“-Pilzerkrankung nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen ausschließlich Schwanzlurche (Feuersalamander, Molche) betroffen – für andere Tiere oder den Menschen besteht keine Gesundheitsgefahr. Die Auswirkungen einer Infektion mit „Bsal“ unterscheidet sich innerhalb der Gruppe der Schwanzlurche deutlich. Betroffene Feuersalamander sterben ausnahmslos binnen 2-3 Wochen an der Infektion. Bei Molchen bricht die Krankheit nur bei einem „schweren“ Pilzbefall aus – Arten wie etwa der Bergmolch können sich durch Häutung von einem leichten bis moderaten Pilzbefall selbst „heilen“. Inwieweit sich der Krankheitsverlauf und die Mortalität innerhalb der Gruppe der Molche unterscheidet, ist Gegenstand aktueller Forschungen.

In welchen Regionen im Regierungsbezirk Arnsberg kommt „Bsal“ schon vor?

Nach den Niederlanden, Belgien, der Nordeifel und dem westlichen Ruhrgebiet breitet sich „Bsal“ mittlerweile auch im Regierungsbezirk Arnsberg aus. Nachweise des Pilzes im Bezirk Arnsberg wurden bisweilen für folgende Kommunen erbracht:

  • 2018 Bochum,
  • 2018 Hattingen,
  • 2019 Witten,
  • 2019 Dortmund,
  • 2020 Herne,
  • 2022 Hochsauerlandkreis.

Wie verbreitet sich „Bsal“?

Bei der Verbreitung von „Bsal“ spielt es keine Rolle, ob es sich um ein erkranktes oder gesundes Tier handelt: vom Pilz befallene Amphibien, die nicht erkranken, übertragen den Pilz im Zuge ihrer Wanderungen in andere Lebensräume. Weitere Überträger von „Bsal“ können Wildtiere sein, die durch ihr Wander- und Zugverhalten den Pilz verschleppen können.

Neben der Verbreitung durch Amphibien selbst oder durch andere Wildtiere trägt auch der Mensch ungewollt zur Verbreitung des Pilzes bei. Menschen, die im Amphibienlebensraum arbeiten z.B. Naturschutzbeauftragte, Natur- und Landschaftsgutachter*innen sowie Wissenschaftler*innen, Forstarbeiter*innen oder Gewässerbauer*innen etc., aber auch Privatpersonen die Erholung in der Natur suchen oder interessierte Naturbeobachter*innen und Naturschützer*innen sind mögliche Überträger*innen. Um eine Verbreitung des Pilzes durch den Menschen möglichst zu verhindern, stellt des Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz NRW (LANUV NRW) ein „Hygieneprotokoll“ zu Verfügung. Dieses enthält Hinweise und Handlungsempfehlungen, um einer Verbreitung von „Bsal“ durch den Menschen möglichst entgegenzuwirken, deren Anwendung wir empfehlen.

Was kann ich tun? Wie kann ich helfen?

Umfassende Angaben, wie einer Verbreitung von „Bsal“ durch den Menschen vorgebeugt werden kann, finden sich im bereits genannten Hygieneprotokoll des LANUV NRW. Grundlegende Hygienemaßnahmen und wichtige Verhaltensweisen, insbesondere für Privatpersonen, sind:

  • Bitte berühren Sie keine Amphibien. Dies gilt insbesondere für Feuersalamander und Molche.
  • Bitte betreten Sie keine Land- und Wasserlebensräume von Amphibien – bleiben Sie daher bitte auf den vorgegebenen Wegen.
  • Bitte führen Sie insbesondere in Waldlandschaften Ihren Hund an der Leine. Bäche, Uferbereiche, Teiche, Tümpel und wassergefüllte Wagenspuren im Wald sollten nicht betreten werden.

Was tun, wenn es zum Kontakt mit Amphibien oder deren Lebensräumen gekommen ist?

  • Befreien Sie Ihr Schuhwerk vor Ort gründlich von Erde, halten Sie dabei ausreichend Abstand zu Gewässern.
  • Anschließend sollten Sie Ihr Schuhwerk desinfizieren. Geeignet hierfür ist 70-prozentiger Alkohol (z.B. verdünnter Brennspiritus (Verhältnis ca. 3 Teile Wasser auf 7 Teile Spiritus) oder eine 1-prozentige Virkon-S-Lösung. Das Desinfektionsmittel bzw. die alkoholische Lösung füllt man in eine handelsübliche Sprühflasche und besprüht damit Schuhsohlen und –schäfte. Das Desinfektionsmittel muss mindestens 2 Minuten lang einwirken.

Neben diesen grundsätzlichen Vorbeugungsmaßnahmen sind die Wissenschaftler*innen, Behörden und Naturschutzvereinigungen auf die Mitarbeit aller Naturbesucher*innen angewiesen.

Sofern Sie Feuersalamander entdecken, seien sie tot oder lebendig (keine überfahrenen Tiere), melden Sie Ihren Fund bitte:

  • fotografieren Sie das Tier aus mehreren Perspektiven, aber berühren Sie das Tier bitte nicht (auch nicht mit Ihren Schuhen)
  • schicken Sie die Fotos mit Angabe des Fundortes und -datum bitte an die höhere Naturschutzbehörde der Bezirksregierung Arnsberg (Andreas.Niemann [at] bra.nrw.derel="noopener" target="_blank")

Wir bedanken uns herzlich für Ihre Mithilfe!

Aktuelle Forschung über „Bsal“

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) initiierte das Forschungs- und Entwicklungsprojekt (FuE) „Monitoring und Entwicklung von Vorsorgemaßnamen zum Schutz vor der Ausbreitung des Chytridpilzes „Batrachochytrium salamandrivorans“ („Bsal“) im Freiland“. Das FuE-Projekt findet in Zusammenarbeit mit den Universitäten Trier und Braunschweig sowie den Biologischen Stationen der Städteregion Aachen und des Kreises Düren statt.

Ziel des Projekts ist es, die Erforschung von „Batrachochytrium salamandrivorans“ („Bsal“) voranzutreiben und, basierend auf diesen Erkenntnissen, Lösungsansätze zur Bekämpfung von „Bsal“ und zur Behandlung kontaminierter Tiere/Lebensräume, zu entwickeln. Auch das oben beschriebene Hygieneprotokoll geht zum Teil auf Erkenntnisse aus diesen Forschungsprojekt zurück.