Gefahrenabwehr im Erosionsbereich zwischen Tagebau und Ortschaft Blessem und der Erft

Das Luftbild zeigt die Lage in Erftstadt-Blessem am 18. Juli 2021

Gefahrenabwehr im Erosionsbereich zwischen Tagebau Blessem, Ortschaft Blessem und Fluss Erft

Frequently asked questions (FAQ) Häufig gestellte Fragen

Auf diesen Seiten möchte die Bezirksregierung Arnsberg allen Interessierten zentrale Aspekte des Projektes näherbringen sowie eine Reihe häufig gestellter Fragen („Frequently Asked Questions“) beantworten.

Hintergrund des Projektes

Im Juli 2021 verwüstete das Sturmtief „Bernd“ Teile Nordrhein-Westfalens – teils mit katastrophalen Ausmaßen. Noch nie zuvor hatte es in Nordrhein-Westfale flächendeckend solch enorme Niederschläge gegeben. Insofern war es im Vorfeld der Hochwasser-Ereignisse auch nicht vorhersehbar, wie extrem die lokalen Auswirkungen der Starkregenfälle ausfallen würden.

Zwischen dem 14. und 16. Juli 2021 überschwemmten starke Niederschläge und daraus resultierendes Hochwasser die Ortschaft Erftstadt-Blessem und einen nördlich davon gelegenen Kies-Tagebau. Dies führte unter anderem zu starken Bodenerosionen zwischen Tagebau Blessem, Ortsteil Blessem und Fluss Erft mit beträchtlichen Gebäudeschäden am Ortsrand von Blessem. 

Die Ereignisse vom Juli 2021 haben die Region ebenso unerwartet wie hart getroffen. Viele Menschen werden noch lange auf vielfältige Art und Weise unter den Folgen zu leiden haben. Glücklicherweise waren nach Information der Sicherheitskräfte in Erftstadt-Blessem keine Todesopfer zu beklagen.

Bereits unmittelbar nach der Überflutung erfolgten erste Sicherungsmaßnahmen zur unmittelbaren Abwehr weiterer Gefahren. Die Stadt Erftstadt sicherte die Böschungen am Ortsrand von Blessem. Um das Eindringen von weiterem Wasser in den Erosionsbereich sowie in den Tagebau zu verhindern, stellte der Erftverband den eigentlichen Flusslauf der Erft wieder her. Für den Tagebau berief die Bergbehörde unverzüglich eine Ad-Hoc-Arbeitsgruppe ein, um gemeinsam mit dem Kiesgruben-Betreiber sowie Fachleuten entsprechende Sicherungsmaßnahmen einzuleiten.

Zur Sanierung und Neugestaltung des Erosionsbereiches, zur Schaffung eines Retentionsraumes sowie zur Verbesserung des Hochwasserschutzes hat der Erftverband ein Sekundärauen-Konzept entwickelt. 

Um die verschiedenen Maßnahmen an der Erft, der Ortslage Blessem und dem Tagebau Blessem sowie die Umsetzung des Sekundärauen-Konzeptes zu bündeln, sind eine detaillierte Gesamtplanung mit flankierenden Einzelmaßnahmen zu Gefahrenabwehr sowie eine zentralen Koordinierungsstelle erforderlich.

Das Projekt

Im September 2021 baten das Wirtschaftsministerium NRW zusammen mit dem Umweltministerium NRW die Bezirksregierung Arnsberg als zuständige Bergbehörde in Nordrhein-Westfalen, die Koordination eines Projektes zur Planung und Umsetzung geeigneter Maßnahmen zur „Gefahrenabwehr im Erosionsbereich zwischen dem Tagebau Blessem, der Ortschaft Blessem und dem Fluss Erft“ zu übernehmen.

Zielsetzung des Projektes

Ziel des Projektes ist die kurz- bis mittelfristige Sanierung und langfristige Sicherung der vom Hochwasser betroffenen Bereiche zwischen dem Tagebau Blessem, der Ortschaft Blessem und dem Fluss Erft. 

Konkrete Aufgabenstellung ist die Auffüllung der tiefen Geländeeinschnitte im Erosionsbereich durch die Herstellung einer sogenannten „Sekundäraue“, die Wiederherstellung der Stadtentwässerung sowie die Sicherung des Tagebaus gegen zukünftige Hochwässer, um Erosionsereignisse wie im Juli 2021 in Zukunft zu verhindern.

Beteiligte Behörden und Organisationen

Geführt und koordiniert wird das Projekt zur „Gefahrenabwehr im Erosionsbereich zwischen Tagebau Blessem, Ortschaft Blessem und Fluss Erft“ in einer speziell dafür eingerichteten Arbeitsgruppe von der Bezirksregierung Arnsberg in ihrer Funktion als fachlich zuständige Bergbehörde in NRW. 
Mitglieder dieser Arbeitsgruppe sind die Bezirksregierung Köln, der Rhein-Erft-Kreis, die Stadt Erftstadt, der Geologische Dienst, der Erftverband, die Rheinischen Baustoffwerke sowie die RWE Power AG

Konkrete Arbeitsschritte des Projektes / Vorgehensweise der Beteiligten

Die Planungen zur Schaffung einer neuen sogenannten „Sekundäraue“ sehen drei Teilabschnitte bzw. Teilflächen vor. Auf der Karte sind diese Abschnitte mit A, B und C gekennzeichnet.

Darstellung der Teilabschnitte bzw. Teilflächen der sogenannten "Sekundäraue" auf einer Karte

Im ersten Projekt-Abschnitt (A) soll zunächst die Teilfläche zwischen Bundesautobahn 1 und Erft um circa einen Meter abgesenkt werden um zukünftig als Retentionsraum, d.h. als gefahrlose Überflutungsfläche bei möglichen Hochwässern dienen zu können. 

Im zweiten Abschnitt (B) soll der durch das Hochwasser entstandene tiefe Geländeeinschnitt zwischen dem nördlichen Ortsrand von Blessem, der Erft und dem Tagebau wieder aufgefüllt, sowie die Südböschung der Kiesgrube wiederhergestellt werden.

Als dritter Abschnitt (C) soll die neue „Sekundäraue“ im Rahmen der Rekultivierung des Tagebaues um das gegenwärtige Absetzbecken als zusätzliche Überflutungsfläche erweitert werden. Hierfür ist eine weitgehende Verfüllung erforderlich.

Zeithorizont und geplante Meilensteine des Projektes

Die Bauzeit zur Herstellung der „Sekundäraue“ in den Bereichen A und B wird voraussichtlich drei Jahre in Anspruch nehmen. Ihre Fertigstellung ist somit für das Jahr 2025 zu erwarten. Der geplante Fortschritt des Projektes ist mit folgenden Meilensteinen verknüpft:

  • Errichtung eines temporären Hochwasserschutzes für die Baustelle
  • Herstellung von Teil A der „Sekundäraue“
  • Sicherung der Stadtentwässerung
  • Rekonstruktion des Südwalls am Kies-Tagebau einschließlich Umsetzung von Erosionsschutzmaßnahmen
  • Verfüllung des Erosionsbereichs und Herstellung von Teil B der „Sekundäraue“ 
  • Sicherung der Kiesgrube gegen Hochwasser, um Erosionsereignisse wie im Juli 2021 zu verhindern
  • Wiederherstellung der endgültigen Stadtentwässerung

Die Ausweitung der „Sekundäraue“ im Bereich C dürfte realistischer Weise weitere acht bis zehn Jahre dauern.